• Ilona Oltuski

Pianisten Lucille Chung und Alessio Bax: Ihr Leben gemeinsam am Klavier

Ich genieße einen an Perfektion heranreichenden Cappuccino an der geschmackvollen, ordentlichen und brandneuen Adresse der Pianisten Lucille Chung und Alessio Bax in New Yorks ‘Upper-Upper Westside’.

Lucilles Organisationsfähigkeiten in die moderne, durchgestylte und dennoch komfortabel, schicke Atmosphäre zu übertragen, ist ein Echo auf Alessios italienisches, klassisches Design-Erbe, welches, zu meiner Freude, auch wenn es um die Küche geht, ebenso eine führende Stimme in der Handhabung des professionellen Prädikats-Milchaufschäumer für Cappucino ist.

Diese großzügige Räumlichkeit, die das junge attraktive Paar ihr Zuhause nennt, wenn es in New York ist, nimmt zwei Konzertflügel auf. Einer ist fürs Üben und Unterrichten in ihrem Arbeitszimmer, das zur Zeit ebenfalls als Gästezimmer dient; der andere im Wohnzimmer und für das gleichzeitige Üben bestimmt oder dafür, sich einander oder auch Gäste zu unterhalten, die typischerweise ebenfalls Musikliebhaber oder Musiker sind.


Klavierspielen ist für beide ein zentraler Bestandteil ihres Lebens. Daher können sie es auch genau so gut gleich zusammen machen und so die Zeit gemeinsam verbringen. Als zwei junge, jeder für sich allein genommen, erfolgreiche Musiker verbringen sie die restliche Zeit gemeinsam, indem sie versuchen, die Klavier Fakultät an der SMU in Dallas und ihren zunehmend vollen Auftritts- und Aufnahme-Terminkalendern unter einen Hut zu bringen. Obwohl sie als Solisten sehr gefragt sind, passiert es in letzter Zeit immer öfter, dass sie auch als Duo spielen. Nicht, dass sie das notwendigerweise so geplant hätten. Obwohl es immer eine großartige Idee zu sein schien [dass sie gemeinsam auftraten] und es gelegentlich passierte, war es erst in jüngster Zeit, dass die Zahl ihrer Duo-Auftritte zugenommen hat, so dass diese heute 20 Prozent der Zeit ausmachen, die zuvor für professionelle Soloauftritte in Anspruch genommen wurde.  Und die Wahrheit ist, sie genießen es, diese wertvolle, intensiv erlebte Zeit am Klavier zusammen zu verbringen.

“Es bedarf einer Menge an Koordination,” meint Lucille, die verantwortlich für alle organisatorischen Details des Teams ist. Alessio lächelt glücklich, während er zugibt, für diesen Bereich kein Interesse zu haben and bestätigt: “Wir haben uns entschieden, dieses Jahr mehr Zeit für gemeinschaftliche Auftritte auszusparen. Wir haben immer sporadisch


Ihr zierlicher Körper könnnte auch leicht der einer Tänzerin sein, und ebenso, wie bei einer Tänzerin, bei der jede Sehne angespannt ist, ist sie durch und durch Musikerin. Eine Ausgeburt an Konzentration, gibt sie sich bei jedem ihrer temperamentvollen Auftritte der ganzen emotionalen Botschaft der Musik hin. Seit ihrem Debüt Auftritt im Alter von 10 Jahren mit dem Montreal Symphony Orchestra unter Charles Dutoit und der sich anschliessenden Asien Tournee mit dem Orchester wurde Musik für die in Kanada geborene Chung, deren Familie aus Korea stammt, zu ihrem natürlicher Lebensraum. Sie ganz sie selbst am Piano, mit vollkommener Gelassenheit und natürlichen Gesten, ob sie eine private Unterrichtstunde gibt oder ob sie in der großen Konzerthalle ist. Ihre Mozart CD gibt eine sehr lebendige Darstellung ihres innigen Klavierspiels wieder, voll von spielerischer Vorstellungskraft – ein perfektes Gegenstück zu Mozart.


Alessio sieht es so: “Es wäre zu fremd, wenn wir nicht beide so sehr Musik mögen würden. Fast jede Stunde eines Tages sind wir mit Musik beschäftigt. Es ist fast völlig unmöglich, irgendeinen Moment zu finden, der nicht irgendwie mit Musik in Verbindung steht. So kann ich mir nicht vorstellen, mit einer Person zusammen zu sein, deren Leben sich auf völlig andere Vorstellungen beziehen würde. Es wäre auf so vielen Ebenen etwas Trennendes. Jede Person, jedes Paar ist unterschiedlich, aber meine Reaktion ist [folgende]: Wie könnte es sonst funktionieren?” Und doch wartet Lucille mit einer anderen, dennoch ebenso überzeugenden Sichtweise auf: “Wenn man mir, bevor ich Alessio kennenlernte erzählt hätte, ich würde einen anderen Pianisten heiraten, hätte ich gesagt, ich glaube das nicht.

Rivalität, Egos… jeder Gedanken in meinem Kopf hätte die Antwort hervorgebracht, dass es nicht gut funktionieren könne – und dann noch obendrein ein Zusammenspielen? Es wäre mir nie in den Sinn gekommen…Und dennoch hat es sich als wahrer Segen herausgestellt. Ich mag und respektiere sein Spielen so sehr, es veranlasst mich, mit ihm spielen zu wollen.”

Alessio fügt hinzu: ”Als Pianisten müssen wir nicht miteinander spielen, es gibt nicht eine wirklich gegenseitige Abhängigkeit wie zum Beispiel bei einem Violinisten und einem Pianisten und es heikel werden könnte, wenn man jemand anderen auswählen würde, als denjenigen, mit dem man lieber zusammenspielt. Für uns ist es ein Bonus, keine Notwendigkeit.”

Das Paar lernte sich im Jahre 1997 während des Hamamatsu Klavier Wettbewerbs in Japan kennen, wo Alessio den ersten Preis erhielt. Zu dieser Zeit studierte Lucille in Italien und unternahm viel zusammen mit der ‘italienischen Clique’ beim Wettbewerb. Alessio studierte in Dallas, aber da er Italiener war, schloss er sich der gleichen Gruppe von Freunden an. Es geschah zufällig, dass bei der Verteilung von Übungsräumen und der Planung der Auftrittszeiten Gruppen entsprechend der alphabetischen Ordnung eingeteilt wurden und ihre Namen im ersten Teil des Alphabets waren. So verbrachten Baglini, Bannister, Bax und Chung Zeit zusammen, während sie darauf warteten zu konzertieren, zusammen aßen und Freundschaften formten. Dennoch, nach diesem ersten Kontakt, gingen alle ihres Weges. Bis Lucille ungefähr ein Jahr später ihre neue E-mail Adresse mit einem Weihnachtsgruß schickte, was einen intensiven Austausch von e-mails auslöste.

Es war zu der Zeit nicht einfach, mit der langsamen Internet Verbindung und den zeitlich eingeschränkten Plänen Kontakt aufrecht zu erhalten.



Als Alessio eingeladen wurde, um im Jahre 2005 für die aufgezeichneten Meisterklasse von Daniel Barenboim zu spielen, war er davon beindruckt, wie gut der Maestro verstand, wie sich Musik auf das Leben bezieht und wie hervorragend er diese Verbindung erklären konnte und so Musik zum ultimativen Medium menschlicher Erfahrung machte. Das musikalische Paar hat, obwohl es noch relativ jung ist, bereits bemerkenswerte Erfahrungen über sein melodisches Leben, seine Reisen und Bandbreite von Auftritten hinweg gesammelt. Auf einige bezieht sich Alessio in seinem Blog: Alessio Bax…habe Klavier, werde  reisen (http://alessiobax.blogspot.com/)

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