Bei der Aufnahme von Beethovens 5. Klavierkonzert: ein Blick hinter die Kulissen bei der Aufzeichnung der jüngsten CD von Yevgeny Sudbin

“Musik muss zuallererst einmal geliebt werden. Sie muss einfach von Herzen kommen und sie muss sich an das Herz wenden. Sonst kann sie nicht den Anspruch erheben, währende, unzerstörbare Kunst zu sein.” — Sergji Rachmaninow

Die Worte des Meisters könnten im Wesentlichen meine Reaktion wiedergeben, als ich zum allerersten Mal Yevgeny Sudbins Darbietung von Rachmaninows zweiter Sonate hörte.

Sudbins extrem kompetente, ersthafte und angstfreie Wiedergabe, die voller Vitalität und emotionaler Tiefe war, erscheint mir wie ein musikalischer Botschafter, der seine zerbrechliche Fracht liefert, um von Seele zu Seele mit größter Dringlichkeit weitergereicht zu werden. In der Tat – ich mochte dieses Werk unzerstörbarer Kunst sehr und es wandte sich direkt an mein Herz.

Hört man Sudbin zu, scheint es, als sei er ein Seelenverwandter von Rachmaninow. Wie sonst war es ihm möglich mit solch einer intuitiven Erkenntnis das Wesen der Musik des Meisters zu verstehen? Ich machte mich daran, mehr über diesen außergewöhnlichen Künstler zu erfahren.

Dank der Tatsache, dass Sudbin und ich gemeinsame Pianistenfreunde haben, war es recht einfach ihn zu kontaktieren. Darauf folgte die Einladung zu einer sehr besonderen Aufnahmesitzung in Minneapolis; Sudbin wollt Beethovens Konzert Nr.5, im Englischen “Emperor” genannt, mit dem Minnesota Orchester unter der Leitung des gefeierten finnischen Intendanten und Dirigenten Osmo Vänskä aufnehmen.

Zum Glück nahm sich der New Yorker Aufnahmeproduzent Joe Patrych, der jeden jungen Aufnahmekünstler in New York und über die Stadt hinaus zu kennen scheint, die Zeit, mich auf das Ereignis, dem ich beiwohnen würde, vorzubereiten. Ihm zufolge ist es die menschliche Interaktion und enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, was das Alles oder Nichts einer erfolgreichen Aufnahmesession ausmacht. Abgesehen von den technischen Herausforderungen einer jeden solchen Session, ist es die “menschliche Komponente,” die es geübten Individuen erlaubt, als Team zusammenzukommen und ein Meisterwerk zu schaffen , das mehr als nur die Summe seiner Bestandteile ist.

Inspiriert von Patrychs Überzeugung machte ich mich eines morgens im Juni auf, um das selbst zu sehen und zu hören.

In der “Minnesota Orchestra Hall” half mir Scott Mays, ein sehr freundlicher Mitarbeiter, den Weg entlang der langen Flure zu finden, die mit dicken, auf den Boden geklebten Kabeln sowie großen Türstoppern ausgelegt waren, um Stoßgeräusche während der Aufnahme zu verhindern. Als ich die heilige Stätte des Aufnahmeraums betrat, hatte ich eine gute Möglichkeit die Bühne zu sehen, wo gerade der Dirigent, das Orchester und Yevgeny Sudbin — alle in Freizeitkleidung — mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt waren. Ein Dirigent in Jeans und einem T-shirt, das Orchester ohne die üblichen schwarzen Kravatten und der Pianist in Jeans und einem langärmeligen Hemd? Ein für mich wirklich recht ungewöhnlicher Anblick.

Im hinteren Bereich der Bühne, der in ein Aufnahmestudio umgewandelt worden war, teilte Scott Mays Kopien von Partituren von Beethovens gesamten Konzerten an die Gäste aus: Vorstandsmitglieder, Sponsoren und Musikliebhaber, die ohne Unterschied an einfachen Tischen saßen. Eine von ihnen, Mary Sigmond, die Präsidentin der Frederic Chopin Gesellschaft — erkärte mir freundlicherweise das weitere Procedere und stellte mich dem Aufnahmeproduzenten Robert Suff, einem der wichtigsten Leute im Bereich Technik und Organisation, vor. Dieser leise-sprechende, aber durchaus selbstsichere Mann, der für das skandinavische Klassikplattenlabel BIS arbeitet, hatte für den ersten Tag zwei und für den darauffolgenden Tag die dritte Aufnahmesession geplant. Diese Sessions dauern normalerweise ungefähr drei Stunden mit zwischendurch ca. 15-minütigen Pausen.

Später setzte sich Suff mit dem Rücken den Gästen zugewandt an einen kleinen Monitor, auf dem er konzentriert verfolgte, was am Podium des Dirigenten und am Klavier passierte. Neben ihm zu seiner Rechten kontrollierte sein Toningenieur Hans Kipfer und dessen technischer Assistent die technischen Schalter, die die unterschiedlichen Soundtracks regulieren. Zur Linken überwachten die Aufnahmeleiterin sowie deren Assistent den zeitlichen Ablauf für die Orchestermusiker.

Und dann schließlich begann die Musik. Ich war sofort von der mühelosen Intimität angetan, die Yevgeny Sudbin mit seinem majestätischen Adagio von Beethovens letztem und für mich ergreifensten Konzert schaffte. Während einige der Gäste ihren Partituren folgten, entschied ich mich, den Produzenten und seinen Toningenieuer zu beobachten, die, als sie zuhörten, durch effiziente Gestenverwendung ihren Kommentar kommunizierten.

Sich im Rythmus der Musik bewegend unterbrach Suff, der – obwohl er hinter den hinter den Kulissen tätig ist — selbst ein gelernter Dirigent ist, eine lange musikalische Passage: “Die Akkorde sind zu impressionistisch. Ich kann die Harmonien nicht klar hören.” Dann stieß er hervor: “die Intonation des Fagotts ist jetzt gut, die Bläser sind nur ein bisschen instabil. Aber wenn das Klavier einsetzt, wären die Fagotte zu flach und bei dem Takt 60/61 sind das Fagott und die Klarinette nicht ganz zusammen. Es könnte auch ein bisschen sanfter klingen.”

Als Kopf hinter dem musikalischen Prozess muss Suff all die Fähigkeiten eines Dirigenten miteinbringen, was ihn gewissermassen zu einem Mitdirigenten macht. Er erklärt. “Ich nenne das fertige Produkt einen ‘Überauftritt’, da es eine Wirklichkeit schafft, die über die Erwartungen hinausgeht, die man hat, besucht man eine Live-Konzertaufführung. Bei einer erfolgreichen Aufnahme muss sich die Spannung in jedem Moment steigern, um die immer-dahinschwindende Aufmerksamkeitsspanne des Zuhöreres zu treffen. Es geht alles darum, die perfekte Ausgewogenheit auf einer hohen Energiestufe zu schaffen.”

Wenn er eine Unvollkommenheit in der Konzertaufführung hört, muss der Produzent genau in diesem Moment entscheiden, ob er die Musiker stoppen soll oder ob der Fehler später behoben werden kann. Letzteres beinhaltet eine Neuaufnahme einer Korrekturstelle und deren nahtlose Verknüpfung mit dem musikalischem Material.

Manchmal war es der Dirigent, der eine Aufnahme unterbricht, manchmal war es Subin selbst, der es noch einmal versuchen wollte, wenn er glaubte, eine Passage könne noch expresssiver gespielt oder ein melodischer Satz noch besser verbunden werden.

“Yevgeny,” unterbrach Suff das Schwingen von wunderschönen Akkordsteigerungen, “wenn du diesen Sprung hier machst, kannst du dann die hohen Töne ein bißchen mehr klingen lassen?”

Und Sudbin erfüllte die Erwartungen. Seine hohen Töne klangen wie russische Glocken und ich dachte für mich, dass ich selten so eine exakte und doch so befreiende Kontrolle erlebt hatte, vielleicht nur im Fall des anderen russischem ‘Evgeny’ — Evgeny Kissin (ohne das ‘y’ buchstabiert) — der, wie Sudbin mir gegenüber später zugab, eben sein Idol sei. Ich fragte mich, ob irgendetwas eigentümlich Russisches in der Wiedergabe sei…etwas, was eines jeden Instinkt anspricht.

Indem sie den zeitlichen Ablauf während all der Unterbrechungen und Wiederaufnahmen genau verfolgten, hatten die Aufnahmeleiterin und ihre Assistentin ihre Augen fest auf die Uhr gerichtet. Bezüglich meiner Vorstellung von der Orchersterwelt hinterließ es einen tiefen Eindruck, als die Aufnahmeleiterin in der Mitte einer äußerst aufregenden Wiederholung mit 10 beginnend rückwärts zählte, um den Produzenten zu warnen, dass die Zeit auslaufe und alles in Sekunden zum Stillstand käme— für die Nachwelt unsterblich gemachte künstlerische Perfektion, im Gegensatz zum Recht des Orchesters auf eine Mittagspause, [also] einer Realität, die mir die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Aufnahmeproduzenten Robert Suff und Yevgeny Sudbin im Ivy bot, dem charaktervollen Hotel Minnesotas, das durch einen überdachten Weg direkt mit der Konzerthalle verbunden ist.

Hier war es, als ich mehr über den Plattenvertrag zwischen Sudbin und dem schwedischen Musiklabel BIS erfuhr – diese Beziehung ist weitgehend Suffs Verdienst. Er war es, der umgehend den BIS Eigentümer Robert von Bahr aufmerksam machte, nachdem er Sudbin’s Vorführaufnahme gehört hatte, die ihm vom in London beheimateten Nigel Grant Rogers, Manager und Freund Sudbins zur Verfügung gestellt wurde. Und obwohl es einen Stopp gab, neue Pianisten unter Vertrag zu nehmen, gelang es Suff von Bahr zu begeistern, der sich so entschied eine Ausnahme zu machen. “Ja, wir müssen das machen” waren von Bahrs eigene Worte, die das grüne Licht für das gaben, was ein 14 CD-Aufnahmevertrag mit dem in Russland geboren Pianisten Yevgeny Sudbin werden sollte. Laut Suff veranschaulicht der Deal den Ehrgeiz der Firma, vielversprechende Künstler auf ihrem Weg zum Erfolg zu begleiten.

Sudbins erste BIS Aufnahme, eine Kollektion von Scarlatti-Sonaten, wurden 2005 herausgebracht, sammelte großartige Kritiken und stellte Sudbin fast sofort ins Rampenlicht. Zahlreiche internationale Aufführungen und weitere Aufnahmen — von Rachmaninow, Scriabin, Tchaikovsky, Medtner, und Haydn – folgten dem Karrieredurchbruch des jungen Pianisten. Sudbins Vielseitigkeit brachten weitere lobende Kritiken ein wie auch den “Gramophone’s Editor’s Choice” Preis für seine 2005 Scriabin-Aufnahme.

In seiner Laudatio für Gramophone meint Bryce Morrison: “Kein Pianist irgendeiner Generation hat meiner Erfahrung nach so lebhaft Scriabins Flüchtigkeit wie Sudbin erfasst … All die Aufführungen sind mit einer persönlichen Note wie auch einer Brillianz versehen, die selbst über die wildesten Ansprüche Scriabins weit hinausgeht … Dies ist, um es passend euphorisch zu fassen, eine CD unter Millionen.” Und der Daily Telegraph führt in seiner Kritik aus dem Jahre 2007 aus: “Yevgeny Sudbin wird bereits als einer der größten Pianisten des 21. Jahrhunderts bejubelt.” Applaus kam auch von Pianistenkollegen, wie von dem in London lebenden Stephen Hough, der selbst ein nachgefragter Künstler ist. Bezüglich Sudbins Rachmaninow Aufnahme meint Hough: “Sein Spielen ist kühn, anregend, tiefempfunden und in jedem Moment absolut lebendig”, (wie auf Sudbins Webseite zitiert wird).

Als ich schließlich mit Sudbin allein sprechen konnte, driftete unser Interview bald in eine lebhafte Unterhaltung beim Abendessen ab und ließ eine weniger formelle und sehr warme persönliche Atmosphäre entstehen. Und es war hier, als ich zu verstehen begann, dass jenseits der Aura von Seriösität, die einen Künstler umgibt, wenn dieser seiner “Pflicht” nachgeht, es sich bei dem privaten Sudbin um eine sehr geistreiche, fürsorgliche , und großzügige Person handelt. Er fragte sogar nach meinen eigenen Bemühungen am Klavier und nach der Taubman Klaviermethode bei der ich leidenschaftlich involviert bin. Wir fühlten uns in Bezug auf unsere persönlichen Erfahrungen verbunden, da wir beide einige Zeit in Deutschland verbracht hatten und Sudbin erzählte mir von seinen allerersten Tagen als aufstrebender Pianist und dass er im Alter von acht Jahren seine erste Aufführung an der Internationalen Spezialmusikschule von St. Petersburg nicht genoss. Als Student von Ljubov Pevsner war er den Drill gewohnt, der notwendig zum Erreichen hervorragender Leistungen ist, aber er fühlte sich dennoch nicht ganz soweit öffentlich aufzutreten. Aber dann führte gerade dieser Auftritt zu weiteren Gelegenheiten. Im Alter von neun Jahren spielte er mit einem Orchester im Rudolfinum in Prag; das Konzert wurde von 2000 Leuten besucht und im nationalen Radio übertragen. Nie zuvor war er mit einem Orchester aufgetreten, und nie vor einem so großem Publikum. Dies war ein Wendepunkt für den Neunjährigen, der ihn überzeugte, dass das Auftreten die Berufung seines Lebens war.

Im Jahre 1989, direkt nach dem Fall der Berliner Mauer, ging seine Familie nach Deutschland und ließ sich in Berlin nieder. 1996 zog er nach London, um sich an der ‘Purcel School of Music’ und später an der ‘Royal Academy of Music’ einzuschreiben, während seine Mutter und Schwester in Berlin blieben. Trotzdem hielt er den engen Kontakt mit seiner Familie aufrecht, die auch die Piano- “Mutterfigur” Galina Iwanzova umfasste. Wie Sudbins, und viele andere russische Familien jüdischer Herkunft, war auch sie aus der Sowjetunion nach Berlin gezogen. Es ist nicht überraschend, dass er in der Musik seine Heimat sieht und nicht in einer spezifischen Nationalität oder Religion.

Als ich ihn fragte, die Situation des Aufnehmens mit der eines Live-Auftritts zu vergleichen, erklärt er: “beide Situationen bringen ihre eigenen Schwierigkeiten mit. Es ist ein Mythos, dass es nur die Energie eines Live-Auftritts gibt. Obwohl es wahr ist, dass ein Publikum einen Extra-Adrenalinstoß auslösen kann, spiele ich auf gewisse Weise immer für ein Publikum, ob es aus dreitausend Leuten oder aus nur wenigen entscheidenen Leuten in einem Aufnahmestudio besteht. Während man spielt, konzentriert man sich vollständig auf die Musik und das Publikum ist ausgeblendet, ansonsten würde jeder Husten, jedes belebte Geräusch das Auftreten unmöglich machen.”

“Natürlich, jeder Live-Auftritt ist eine Herausforderung, da es keine Wiederholungen gibt. Fehler können nicht korrigiert, aber kleine Schnörkel verziehen werden, da es das Ganze ist, was zählt. Und der Applaus ist ein fantastischer Auftrieb für das eigene Ego und macht in der Unmittelbarkeit seiner Reaktion süchtig, was man nicht im Aufnahmestudio bekommt. Er läßt einen die harte Vorbereitungsarbeit vergessen und läßt einen gewillt sein, das nächste Mal für mehr zurückzukommen,” gibt er ein ein wenig keck zu.

Dann fuhr er fort: “In einer Aufnahmesituation ist es natürlich nach einer dritten Aufnahme schwerer, Spontanität einzubringen, aber es gibt ein Element von Perfektionismen, das zu einem viel höheren Grad befriedigt warden kann. Man kann bestimmte musikalische Ideen betonen und diese — soweit es die Zeit zuläßt —  ausprobieren, bis sie stimmen. Sicher, es kann ein schwieriger Prozess sein durch musikalische Häppchen zu gehen, d.h. anzufangen und aufzuhören, nur um ein Detail richtig hinzukriegen. Aber nichts ist mit dem Moment vergleichbar, wenn man die erste Ausgabe in die Hand bekommt und wirklich mit dem Resultat zufrieden ist.”

Und dann fügt er mit einem stolzem Lachen hinzu: “Meine Aufnahmen sind für mich wie Kinder. Ich gebe mir, was sie angeht, große Mühe, behandele sie mit Liebe und sie sind mir sehr nahe. Und wie im Fall von Kindern mache ich mir Sorgen um sie. Nachdem ich ihnen anfänglich zuhöre, mag ich es nicht, ihnen ausgebig zuzuhören, da ich fürchte, Fehler zu finden, die ich nicht mehr abändern kann. Sobald sie heraus sind, haben sie ein ein eigenes Leben.”

Als ich das kontroverse Thema Applaus zwischen den Sätzen erwähne, erwidert er: “Es stört mich nicht. Es sollte nicht als Zeichen der Ignoranz gewertet werden, sondern als Anzeichen großer Wertschätzung und Dankbarkeit.”

Wertschätzung und Dankbarkeit für die Musiker und Komponisten, die vor ihm kamen, mögen es auch sein, die Sudbin in seiner Erkundung der Künstler motiviert, deren Musik er aufführt und aufnimmt.

Aber hier hört er nicht auf, sondern er teilt seine Erkenntnisse mit seinen Freunden und Fans — in Form von ‘liner notes’ auf seiner Webseite. Er genießt auch das Transkribieren von Musik, was er nicht als Komponieren begreift, da es auf bekanntem Material aufbaut, aber dennoch ein kreatives Ventil ist, das er schon früh aufgriff. Es beindruckte mich zu erfahren, dass er ebenfalls ein Fotograf ist, der es liebt, die Schönheit der Natur zu erfassen und all ihre Facetten in kühnen und deutlichen Farben darzustellen.

Unsere Unterhaltung neigte sich dem Ende als Sudbin nach dem Abendessen seine Frau Sally Wei anrief, die in jedem Augenblick die Geburt ihres ersten Baby — eines Mädchen —erwartete.

Und dann, nach der Aufnahmesession am zweiten Tag, galt es für alle, die an diesem außergewöhnlichem Ereignis beteiligt waren, Auf Wiedersehen zu sagen. Die letzten Worte Subins zeugen von seinem Engagement und Liebe dessen, was er macht, egal ob auf der Bühne oder im Aufnahmestudio.

“Ich bin eigentlich sehr traurig, dass es vorbei ist,” sagt er, als Mary Sigmond alle draussen anweist, vor der Konzerthalle sich fotografieren zu lassen. Dann entschwand er mit ihr, nur um sich noch einmal umzudrehen und zu winken.

Auf meinem Flug von Minneapolis nach New York dachte ich über meine Erlebnisse nach. Ich hatte die Fähigkeit Sudbins miterlebt, den poetischsten Klavierklang hervorzubringen, egal ob in einem ganzen Durchlauf oder den kleinsten ‘Soundbites‘wiederholt — selbst bis zu dem Punkt, eine nach der anderen Note neu einzupassen, um so zur Erreichung größter Vortrefflichkeit die Klangfarbe und aufeinander abzustimmen.

Ich war vom aufwendigen Prozess fasziniert, die Stimme eines jeden Instruments auf vielen verschiedenen Tonspuren von den verschiedenen Positionen in der Halle einzufangen und von der Klangaufbereitung, dass in einer sehr ausgewogenen, höchst ausdrucksvollen endgültigen letzten Version, die in Stereo-Suround– Klang ausgefertigt ausgeführt wurde. In der Tat, das Klavier und die Akkustik der Halle waren sehr wichtig gewesen, aber für mich ging es dennoch um die Persönlichkeiten aller an der Aufnahme Beteiligten. Ich verspürte, dass ich große Meister getroffen hatte und ihnen, als sie ihren magischen Zauberttrank schufen, über ihre Schulter gesehen hatte.

Wie Mary Sigmond von der Chopin Gesellschaft es so passend beim Verlassen des Aufnahmestudios ausgedrückt hatte: “Ich werde nie wieder eine Aufnahme auf die gleiche Weise hören.” Ich kann mich ihr nur anschließen and dafür dankbar sein, dass ich die Gelegenheit hatte, bei einem solch augenöffnenden Ereignis dabei zu sein.

Zurück in New York erfuhr ich wenige Tage später, dass Sudbin in seinem Londoner Heim gerade noch rechtzeitig ankam, um sein erstes Baby – Isabella Yi-Ning – zu begrüßen. Aus diesem freudigem Anlass wird er sich zwei Monate beurlauben lassen; kein Zweifel, seine Pianisten-Ehefrau wird diese Entscheidung sicher zu schätzen wissen. BIS hofft auf das Erscheinen von Sudbin’s  ”Emperor‘“ CD zusammen mit Beethovens viertem Klavierkonzert, die beide  mit dem Minnesota Orchester unter der Leitung von Osmo Vänskä  auch „live“ aufgeführt wurden, im kommenden Herbst.

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